Energietal Toggenburg "das sind wir"
Peter Donatsch, Leiter Energiekommunikation
Energietal Toggenburg - "das sind wir"
Energietal toggenburg wurde im Jahr 2009 mit zwei Zielen gegründet:
1. Das Toggenburg wird bis 2034 zur energieautarken Region.
2. Im Toggenburg wird bis 2059 die ‚2000-Watt-Gesellschaft’ oder ‚1- Tonne-CO2-Gesellschaft’ realisiert.
Punkt 1 ist einigermassen verständlich. „Energieautark“ bedeutet in unserem Fall, dass im Tal mindestens soviel Energie aus eigenen und erneuerbaren Quellen produziert wie verbraucht wird.
Punkt 2 ist sehr viel schwieriger zu erklären.
Weil sie so schön unverständlich klingen, hier noch einmal die Begriffe: „2000-Watt-Gesellschaft“ oder „1-Tonne-CO2-Gesellschaft“. Wissen Sie, was das bedeutet? Stundenlang haben wir überlegt und diskutiert, wie diese Wortungetüme so erklärt werden können, dass wenigstens wir selbst sie verstehen!
Versuchen wir es mit Wikipedia: „Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, das im Rahmen des Programms Novatlantis an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entwickelt wurde. Gemäß dieser Vision sollte der Energiebedarf jedes Erdenbewohners einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt entsprechen.“
„2000 Watt Leistung“ bedeutet zum Beispiel, dass ich zwei Heizlüfter mit einer Leistung von je 1000 Watt während eines Jahres rund um die Uhr laufen lasse.
Für Ulrich Bundi, den Präsidenten des Steuerungsausschusses von Novatlantis steht der Begriff „2000-Watt-Gesellschaft“ als Bild „für die Zielsetzung, eine zukunftsorientierte Entwicklung unserer Gesellschaft bei deutlich reduziertem Energieeinsatz und drastisch reduzierten CO2-Emissionen zu ermöglichen.“
Eine andere Definition der 2000-Watt-Gesellschaft gibt der Quantenpysiker Hans-Peter Dürr. Er sagt, dass wir in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts in etwa auf diesem Niveau lebten. Waren eigentlich nicht so schlechte Zeiten damals. . . Wir reisten in den Ferien nach London, oder Rimini ans Meer, die meisten besassen ein Auto, Fernsehen kam auch gerade auf und die Väter brachten Jahr für Jahr eine schöne Reallohnerhöhung nach Hause, die nicht gleich darauf von der Teuerung aufgefressen wurde. Dreimal die Woche kamen der Migros-Wagen und der mobile Milchhändler vors Haus und in vielen Mehrfamilienhäusern in der Stadt gab es Hurden zum Überwintern von Äpfeln und Kartoffeln.
Aber wie erkläre ich das meiner Tochter, die 1992 geboren wurde?
Einen Vergleich gibt es noch, damit wir einordnen können, wo wir stehen: Ein verträglicher Energiebedarf liegt bei 2000 Watt pro Person – hier ist sie wieder, die 2000-Watt-Gesellschaft. Der Energiebedarf in der Schweiz liegt heute bei 6500 Watt pro Person. Also drei Mal höher.
Weiss ich jetzt mehr über die 2000-Watt-Gesellschaft?
Ein bisschen vielleicht. Aber darauf kommt es auch nicht an. Der unverständliche Begriff steht für eine einfache und sinnvolle Tatsache: Es geht um die Zukunft des Planeten Erde, um die sinnvolle Nutzung und gerechte Verteilung von Energie weltweit, um Wohlstand und Zukunftsperspektiven für alle Menschen.
Das sind grosse Ziele. Grosse Ziele spornen zu grossen Leistungen an. Im Toggenburg gibt es den Förderverein energietal toggenburg. Er hat in den ersten zwei Jahren seiner Existenz einige wichtige Zwischenziele erreicht:
- Der Verein bietet praktische und kompetente Energieberatung für Private und Gemeinden: 2010 nahmen rund 200 Personen eine Erstberatung und 100 Personen eine Vorgehensberatung in Anspruch. Zudem wurden 75 Gebäudeausweise der Kantone ausgestellt. In der Folge wurden zahlreiche Häuser zielgerichtet energetisch saniert, alte und unwirtschaftliche Anlagen wurden ersetzt. Mit solchen Massnahmen wird der Ausstoss von CO2 und anderen Treibhausgasen wesentlich verringert. Das geschätzte Investitionsvolumen in diesem Zusammenhang beträgt 4.5 Mio Franken, von denen ein grosser Teil dem regionalen Gewerbe zu Gute kam.
- 102 thermische Solaranlagen zur Warmwasseraufbereitung wurden im Jahr 2010 als direkte oder indirekte Folge der Aktion ‚Heisswasser vom Dach’ gebaut. Damit wird der Ausstoss von durchschnittlich 1014 Tonnen CO2 vermieden und rund 1,5 Mio Franken Wertschöpfung für das einheimische Gewerbe wurden erzeugt.
- In Partnerschaft mit dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg entwickelt der Verein energietal toggenburg in der ‚Energieakademie’ Aus- und Weiterbildungskonzepte für Berufsleute im Bereich der alternativen Energietechniken. Im Augst 2011 startet der erste, vom Bundesamt für Energie anerkannte und geförderte Lehrgang zum ‚Solarteur’. Das Toggenburg ist der zweite Standort in der Schweiz, der diese zukunftsfähige Ausbildung bietet.
- Die grösste Photovoltaik-Anlage der Ostschweiz auf dem Dach der Firma Högg in Wattwil nahm im Dezember 2010 ihren Betrieb auf. Die 2520m2 Solarmudule könnten 110 Haushalte jahraus jahrein mit Strom versorgen.
- Im Teilprojekt ‚Bioenergie’ geht es darum, dass möglichst alle Restaurants, Hotels und Kantinen ihre Gastroabfälle einfach, sauber und umweltfreundlich entsorgen lassen. Dies schafft die Voraussetzungen für eine Biogasanlage in der Region; sie ist für 2012 geplant. Das bedeutet: Noch mehr Arbeit und Wertschöpfung im Tal.
- In Nesslau hat die Genossenschaft Holzenergiezentrum Toggenburg eine der grössten Schnitzelheizungen der Schweiz in Betrieb genommen. Mit 25'000 m3 Schnitzel werden 1.2 Mio. Liter Heizöl substituiert und somit 10 Mio kWh Wärme produziert. Mit dem vorgelagerten ORC–Prozess werden zudem noch 2 Mio kWh Strom produziert.
- Im Nesslauer Ijental, in Dietfurt, in Mosnang und Bazenheid wurden Kraftwerke erneuert. Die neuen Anlagen produzieren bis zu 10 Mio. kWh sauberen Strom für die Toggenburger Haushalte. Die Investitionen von 15 Mio. Franken sind zu einem grossen Teil dem Toggenburger Gewerbe zu gut gekommen.
- Auf Initiative von energietal toggenburg wurden drei Kirchen mit automatischen Heizungssteuerungen ausgerüstet. Damit wird schonend geheizt (für die Bausubstanz), energiesparend geheizt (50% Einsparung) und ferngesteuert geheizt (bequem für Mesmer und Pfarrer). Nach Wildhaus, Bütschwil und Wattwil planen auch Bazenheid, Libingen und Lichtensteig dasselbe.
Toggenburg – das Energietal für die Menschen
Hinter jeder Idee stehen Menschen. Hinter „energietal toggenburg“ stehen Menschen, die ihre Heimat lieben, und sie für die Zukunft lebenswert erhalten wollen. Sie und ich.
Toggenburgerinnen und Toggenburger, Auswärtige, Zugewandte und Feriengäste, Private und Unternehmen – gemeinsam können wir den haushälterischen Umgang mit Ressourcen, den intelligenten Einsatz neuer Technologien, innovative und praktisch anwendbare Lösungen leben und weiter entwickeln. Mit der Chance, mehr zu gewinnen, indem wir weniger verbrauchen.
Für gute Aussichten in unseren Tälern (Necker- und Thurtal) und als Zeichen in die Welt, dass es sich lohnt, sich für eine Vision gemeinsame einzusetzen.
energietal toggenburg bewegt
Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die sich im Förderverein energietal toggenburg engagieren, und mit allen interessierten Toggenburgerinnen und Toggenburgern, setze ich mich als ‚Kommunikator’ für diese erstrebenswerte Vision ein.
Ich freue mich, wenn Sie sich mit Ihrem Anliegen zum Thema Energie bei mir melden, wenn Sie Fragen zu den Tätigkeiten von energietal toggenburg stellen oder wenn Sie bei energietal toggenburg mitarbeiten wollen.
Viele wichtige Projekte harren ihrer Verwirklichung. Lassen Sie sich bewegen – bewegen auch Sie!